www.berlin-traumatherapie.de   |   Dipl.-Psych. J. Rossilhol
Psychotherapie

Was ist Psychotherapie?

Psychotherapie ist ein individueller Prozess von unterschiedlicher Intensität, in welchem sich Menschen aus für sie unpassenden Stadien der Selbstentwicklung hinaus weiter fortbewegen.
Häufig wird mit dem Begriff Psychotherapie auch das Gesundheitssystem mit seiner spezifischen Sichtweise von krank und gesund verbunden. In der Tat kann es Menschen sehr schlecht gehen: Sie haben Ängste, sind verzweifelt, hadern mit sich selbst. Im Gesundheitssystem wird dann der Begriff 'Psychische Erkrankung' benutzt. Psychotherapeuten bevorzugen den Begriff der 'Psychischen Störung'.
Eine 'Störung' ist etwas, auf das der Einzelne Einfluss nehmen kann - auch wenn der Weg schwierig und steinig sein mag. Bei einer 'Krankheit' denken wir unwillkürlich an 'Bakterien' oder 'Viren'. Sie sind etwas, das uns 'äusserlich' ist. Wir wollen es loswerden. Eine psychische Störung ist ein Teil von uns. Wir müssen ihn verstehen, einen Weg der Lösung und Selbstveränderung finden. Medikamente, meist von einem Psychiater, Arzt mit Zusatzausbildung, verordnet können Menschen in akuten Krisensituationen zwar helfen, verändern jedoch nichts am Grund der psychischen Störung.

Psychotherapie Verfahren

In meiner psychotherapeutischen Arbeit integriere ich folgende Methoden:

Verhaltenstherapeutische Methoden sind gut geeignet, über die Ziele und Veränderungen in einer Psychotherapie zu reflektieren. Häufig sind auch unsere Gedanken Blockaden unserer selbst. Die übenden Verfahren der Verhaltenstherapie führen uns zu einer lebenspraktischen Umsetzung des in der Therapie Erarbeiteten.
Die tiefenpsychologischen Ansätze dienen der Arbeit mit den unbewussten Anteilen in unserem Seelenleben. Hier stecken in Form der Gefühle wichtige Kraftquellen, die es positiv zu erschliessen gilt.
Der familientherapeutische (systemische) Ansatz hilft, den einzelnen Menschen in seinem sozialen Gefüge zu begreifen. Dies ist für die meisten z.B. ihre Herkunftsfamilie. Aber auch die Kommunikation und Interaktion mit unseren anderen sozialen Umwelten ist Gegenstand der Betrachtung in der Systemischen Therapie. Wir existieren nicht nur als Einzel-Individuen. Traumapsychotherapie widmet sich der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse mit dafür speziell entwickelten Methoden, die vor allem eine Integration der abgespaltenen emotionalen Anteile fokussieren.

Möglichkeiten der Psychotherapie

Psychotherapie ist kein Wundermittel - obwohl sie bisweilen wundersam wirkt. In einer fachgerechten Psychotherapie geschehen Veränderungen, weil Sie sich dazu bereit finden. Ein wichtiger Ansatzpunkt und Leitfaden für die Psychotherapie sind Gefühle. Mit dem Kopf uns etwas vorzumachen haben wir gelernt. Die Gefühle zu erkennen ist deshalb ein guter Weg, scheinbar Unveränderliches zu bearbeiten. Andere Menschen zu verändern, sollte nicht das Ziel Ihrer Therapie sein. Das ist selbstverständlich sagen Sie? Wir können nur uns selbst verändern - und dies ist schwer genug. Möglicherweise zieht eine Veränderung unserer Selbst andere Veränderungen nach sich.

Wann brauchen Menschen Psychotherapie?

Menschen kommen in Psychotherapeutische Behandlung, wenn sie Hilfe brauchen oder sich in einer Lebenskrise (z.B. Trennung) befinden. Deshalb kann Psychotherapie zu Beginn einer Behandlung vor allem stützenden Charakter aufweisen.
Ein anderer typischer Beginn einer Psychotherapie besteht in Veränderungs- oder Aufarbeitungswünschen. Sie haben erkannt, dass es Zeit für eine Veränderung ist oder wollen etwas besprechen, mit dem Sie sich bereits lange herum tragen?
Eine weitere Motivation zum Beginn einer Therapie ist eine Empfehlung durch Dritte. Dann gilt es zu klären, was Sie wollen - es muss ja nicht dasselbe sein wie dass, was Ihnen angeraten wurde.

Was ist mit mir/uns los?

Psychotherapie hilft sowohl Einzelpersonen als auch Paaren und Familien mit ihren Problemen besser umgehen zu können. Zu Beginn einer Therapie wird versucht, die Problemlage zu erfassen. Alle Menschen, die sich in Therapie begeben, haben schon eine oder mehrere Ideen, was ihre Probleme sind. Dazu kommen die beruflichen Kenntnisse und vor allem die Aussensicht des Therapeuten.

Ziele in der Psychotherapie

Nun kann gemeinsam überlegt werden, welche Ziele die Psychotherapie haben soll. Im Verlauf der Therapie können diese Ziele sich ändern. Neue Informationen tauchen auf, der Mensch entwickelt sich in der Therapie, es treten Veränderungen im Beziehungsumfeld oder bei der Arbeit ein.

Wer arbeitet in einer Psychotherapie?

Die Hauptarbeit liegt bei Ihnen. Psychotherapie kann Sie in schwierigen Zeiten unterstützen, muss aber wenn möglich die mit Ihnen vereinbarten Veränderungsziele im Blick behalten. Die Arbeit an Ihrer persönlichen Veränderung kann mitunter sehr intensiv und anstrengend sein. Schwierige Gefühle werden aktualisiert. Trauer, Angst und Wut liegen unserem Leid zugrunde und müssen gewürdigt werden. Allerdings sollten Sie nicht vergessen, dass Sie es ja bereits bis hier geschafft haben - oder?

Therapieende

Eine Therapie sollte beendet werden, wenn die wichtigsten Ziele erreicht sind und der Mensch wieder allein in der Lage ist, seine Probleme zu meistern. Dies kann bei unterschiedlichen Problemlagen unterschiedliche Zeit in Anspruch nehmen.




Kommentiertes Glossar psychischer Störungen

'Psychische Störungen' gibt es nicht. Wir haben sie als solche definiert und festgelegt. Etwa alle 10-15 Jahre werden diese Festlegungen von der Weltgesundheitsorganisation überarbeitet und verändert. Die Festlegungen dienen dazu, dass Betroffene und Professionelle leichter darüber sprechen können. Im folgenden Glossar werden die wichtigsten dieser Festlegungen von Störungskategorien beschrieben:

Sucht und Abhängigkeit

Schädlicher Gebrauch

Konsum psychotroper Substanzen, der zu Gesundheitsschädigung führt. Diese kann als körperliche Störung auftreten, etwa in Form einer Hepatitis nach Selbstinjektion der Substanz oder als psychische Störung z.B. als depressive Episode nach massivem Alkoholkonsum.
Kommentar: Bei dieser Diagnose wird noch nicht von Sucht oder Abhängigkeit ausgegangen. Im Vordergrund steht hier die zerstörerische Wirkung der Art des Drogenkonsums.

Abhängigkeitssyndrom

Eine Gruppe von Verhaltens-, kognitiven und körperlichen Phänomenen, die sich nach wiederholtem Substanzgebrauch entwickeln. Typischerweise besteht ein starker Wunsch, die Substanz einzunehmen, Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren, und anhaltender Substanzgebrauch trotz schädlicher Folgen. Dem Substanzgebrauch wird Vorrang vor anderen Aktivitäten und Verpflichtungen gegeben. Es entwickelt sich eine Toleranzerhöhung und manchmal ein körperliches Entzugssyndrom.
Das Abhängigkeitssyndrom kann sich auf einen einzelnen Stoff beziehen (z.B. Tabak, Alkohol oder Diazepam), auf eine Substanzgruppe (z.B. opiatähnliche Substanzen), oder auch auf ein weites Spektrum pharmakologisch unterschiedlicher Substanzen.
Kommentar:
Klassische Suchtdiagnose. Auch Cannabis sollte in Anbetracht der hohen Stärke der heutigen Vorkommensarten und des starken psychischen Abhängigkeitspotentials nicht als 'weiche' Droge gesehen werden.

'Verrückt Sein'

Schizophrenie

Die schizophrenen Störungen sind im allgemeinen durch grundlegende und charakteristische Störungen von Denken und Wahrnehmung sowie inadäquate oder verflachte Affekte gekennzeichnet. Die Bewusstseinsklarheit und intellektuellen Fähigkeiten sind in der Regel nicht beeinträchtigt, obwohl sich im Laufe der Zeit gewisse kognitive Defizite entwickeln können. Die wichtigsten psychopathologischen Phänomene sind Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung oder Gedankenentzug, Gedankenausbreitung, Wahnwahrnehmung, Kontrollwahn, Beeinflussungswahn oder das Gefühl des Gemachten, Stimmen, die in der dritten Person den Patienten kommentieren oder über ihn sprechen, Denkstörungen und Negativsymptome.
Der Verlauf der schizophrenen Störungen kann entweder kontinuierlich episodisch mit zunehmenden oder stabilen Defiziten sein, oder es können eine oder mehrere Episoden mit vollständiger oder unvollständiger Remission auftreten.
Kommentar: Die Schizophrenie ist eine 'Sammeldiagnose', welche leider gerne schnell vor allem in psychiatrischen Kliniken vergeben wird. Die Therapie mit Psychopharmaka und die Zuschreibung der Diagnose bestimmen mitunter den Verlauf der Störung. Progressive Infragestellungen des Schizophreniekonzeptes aus den 70er Jahren wurden nicht weiter verfolgt. Warum Menschen den Ausweg in das 'Verrückt sein' wählen, gerät im medizinischen Alltag allzuhäufig aus dem Blick.

Schizotype Störung

Eine Störung mit exzentrischem Verhalten und Anomalien des Denkens und der Stimmung, die schizophren wirken, obwohl nie eindeutige und charakteristische schizophrene Symptome aufgetreten sind. Es kommen vor: Ein kalter Affekt, Anhedonie und seltsames und exzentrisches Verhalten, Tendenz zu sozialem Rückzug, paranoische oder bizarre Ideen, die aber nicht bis zu eigentlichen Wahnvorstellungen gehen, zwanghaftes Grübeln, Denk- und Wahrnehmungsstörungen, gelegentlich vorübergehende, quasipsychotische Episoden mit intensiven Illusionen, akustischen oder anderen Halluzinationen und wahnähnlichen Ideen, meist ohne äußere Veranlassung. Es lässt sich kein klarer Beginn feststellen; Entwicklung und Verlauf entsprechen gewöhnlich einer Persönlichkeitsstörung.
Kommentar: Selten

Schizoaffektive Störungen

Episodische Störungen, bei denen sowohl affektive als auch schizophrene Symptome auftreten, aber die weder die Kriterien für Schizophrenie noch für eine depressive oder manische Episode erfüllen.
Kommentar: Eher selten

Affektive (emotionale) Störungen

Manie ohne psychotische Symptome

Die Stimmung ist situationsinadäquat gehoben und kann zwischen sorgloser Heiterkeit und fast unkontrollierbarer Erregung schwanken. Die gehobene Stimmung ist mit vermehrtem Antrieb verbunden, dies führt zu Überaktivität, Rededrang und vermindertem Schlafbedürfnis. Die Aufmerksamkeit kann nicht mehr aufrechterhalten werden, es kommt oft zu starker Ablenkbarkeit. Die Selbsteinschätzung ist mit Größenideen oder übertriebenem Optimismus häufig weit überhöht. Der Verlust normaler sozialer Hemmungen kann zu einem leichtsinnigen, rücksichtslosen oder in Bezug auf die Umstände unpassenden und persönlichkeitsfremden Verhalten führen.
Kommentar: Die Manie ohne depressive Episoden ist eher selten. Auch manische Episoden können als Bewältigungsversuche schwieriger emotionaler Grundprobleme verstanden werden.

Bipolare affektive Störung

Hierbei handelt es sich um eine Störung, die durch wenigstens zwei Episoden charakterisiert ist, in denen Stimmung und Aktivitätsniveau des Betroffenen deutlich gestört sind. Diese Störung besteht einmal in gehobener Stimmung, vermehrtem Antrieb und Aktivität (Hypomanie oder Manie), dann wieder in einer Stimmungssenkung und vermindertem Antrieb und Aktivität (Depression). Wiederholte hypomanische oder manische Episoden sind ebenfalls als bipolar zu klassifizieren.
Kommentar: In 'Manischen Episoden' besteht wie bei der Manie die Gefahr sich selbst zu schaden (Drogenkonsum, unkontrolliertes Geldausgeben u.ä.). Mitunter werden die manischen Phasen als Versuch verstanden aus einem depressiven Grundmuster auszubrechen. In der Therapie sollten deshalb die Gründe für diese depressive Grundkonstellation bearbeitet werden.

Depressive Episode

Bei den typischen 'leichten', 'mittelgradigen' oder 'schweren' Episoden, leidet der betroffene Patient unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Die Fähigkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert. Ausgeprägte Müdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gestört, der Appetit vermindert. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind fast immer beeinträchtigt. Sogar bei der leichten Form kommen Schuldgefühle oder Gedanken über eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stimmung verändert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumstände und kann von so genannten "somatischen" Symptomen begleitet werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, Früherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust. Abhängig von Anzahl und Schwere der Symptome ist eine depressive Episode als leicht, mittelgradig oder schwer zu bezeichnen.
Kommentar: Mehrere 'depressive Episoden' führen zur Diagnose der 'rezidivierenden depressiven Störung' oder auch Depression (s.u.).

Rezidivierende depressive Störung

Hierbei handelt es sich um eine Störung, die durch wiederholte depressive Episoden charakterisiert ist. In der Anamnese finden sich dabei keine unabhängigen Episoden mit gehobener Stimmung und vermehrtem Antrieb (Manie). Kurze Episoden von leicht gehobener Stimmung und Überaktivität (Hypomanie) können allerdings unmittelbar nach einer depressiven Episode, manchmal durch eine antidepressive Behandlung mitbedingt, aufgetreten sein. Die schwereren Formen der rezidivierenden depressiven Störung haben viel mit den früheren Konzepten der manisch-depressiven Krankheit, der Melancholie, der vitalen Depression und der endogenen Depression gemeinsam. Die erste Episode kann in jedem Alter zwischen Kindheit und Senium auftreten, der Beginn kann akut oder schleichend sein, die Dauer reicht von wenigen Wochen bis zu vielen Monaten. Das Risiko, dass ein Patient mit rezidivierender depressiver Störung eine manische Episode entwickelt, wird niemals vollständig aufgehoben, gleichgültig, wie viele depressive Episoden aufgetreten sind. Bei Auftreten einer manischen Episode ist die Diagnose in bipolare affektive Störung zu ändern.
Kommentar: Die 'Depression' in ihren verschiedenen Formen ist eine der wichtigsten psychischen Störungen. Die Gründe für depressive Stimmung können recht unterschiedlich sein. Wenn wir Depression als ausweglose Trauer verstehen, so rücken vor allem personelle Verluste wie Tod oder Beziehungsabbrüche ins Blickfeld. Aber auch materielle Verluste, familiäre Probleme, Arbeitslosigkeit und traumatische Erlebnisse können Menschen in diese Situation emotionaler Not treiben.

Angststörungen

Agoraphobie

Eine relativ gut definierte Gruppe von Phobien, mit Befürchtungen, das Haus zu verlassen, Geschäfte zu betreten, in Menschenmengen und auf öffentlichen Plätzen zu sein, alleine mit Bahn, Bus oder Flugzeug zu reisen. Eine Panikstörung kommt als häufiges Merkmal bei gegenwärtigen oder zurückliegenden Episoden vor. Depressive und zwanghafte Symptome sowie soziale Phobien sind als zusätzliche Merkmale gleichfalls häufig vorhanden. Die Vermeidung der phobischen Situation steht oft im Vordergrund, und einige Agoraphobiker erleben nur wenig Angst, da sie die phobischen Situationen meiden können.
Kommentar: Wieso haben Menschen Angst vor anderen Menschen? Mussten sie etwa schlechte Erfahrungen sammeln? Wie bei allen 'Angststörungen' kommt auch hier zusätzlich die Möglichkeit einer 'Angstverschiebung' in Betracht. Auch reaktualisierte Trauma-Ängste können sich so zeigen.

Soziale Phobien

Furcht vor prüfender Betrachtung durch andere Menschen, die zu Vermeidung sozialer Situationen führt. Umfassendere soziale Phobien sind in der Regel mit niedrigem Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik verbunden. Sie können sich in Beschwerden wie Erröten, Händezittern, Übelkeit oder Drang zum Wasserlassen äußern. Dabei meint die betreffende Person manchmal, dass eine dieser sekundären Manifestationen der Angst das primäre Problem darstellt. Die Symptome können sich bis zu Panikattacken steigern.
Kommentar: Menschen sollten ein gutes Selbstvertrauen entwickeln, wenn ihre Bindungspersonen (meist die Eltern) ihnen Geborgenheit und Zuversicht vermitteln. Ständige Entwertungen in der Kindheit untergraben das Selbstwertgefühl des wachsenden Menschen. Als Erwachsene besteht dann zusätzlich die Angst, die anderen könnten es bemerken. Traumatische Erlebnisse können ebenfalls Grundlage einer sozialen Phobie sein.

Spezifische (isolierte) Phobien

Phobien, die auf eng umschriebene Situationen wie Nähe von bestimmten Tieren, Höhen, Donner, Dunkelheit, Fliegen, geschlossene Räume, Urinieren oder Defäkieren auf öffentlichen Toiletten, Genuss bestimmter Speisen, Zahnarztbesuch oder auf den Anblick von Blut oder Verletzungen beschränkt sind. Obwohl die auslösende Situation streng begrenzt ist, kann sie Panikzustände wie bei Agoraphobie oder sozialer Phobie hervorrufen.
Kommentar:Viele Ängste sind uns evolutionär sehr nahe: Angst vor Höhen oder giftigen Tieren ist sinnvoll für das Überleben. Treten diese Ängste aber in übersteigerter Form auf, kann vermutet werden, dass andere Ängste - die unbewusst bleiben müssen sich hinzuaddiert haben. Auch Modelllernen - also 'abgucken' - kommt als Ursache für Phobien in Frage.

Panikstörung

Das wesentliche Kennzeichen sind wiederkehrende schwere Angstattacken (Panik), die sich nicht auf eine spezifische Situation oder besondere Umstände beschränken und deshalb auch nicht vorhersehbar sind. Wie bei anderen Angsterkrankungen zählen zu den wesentlichen Symptomen plötzlich auftretendes Herzklopfen, Brustschmerz, Erstickungsgefühle, Schwindel und Entfremdungsgefühle (Depersonalisation oder Derealisation). Oft entsteht sekundär auch die Furcht zu sterben, vor Kontrollverlust oder die Angst, wahnsinnig zu werden. Die Panikstörung soll nicht als Hauptdiagnose verwendet werden, wenn der Betroffene bei Beginn der Panikattacken an einer depressiven Störung leidet. Unter diesen Umständen sind die Panikattacken wahrscheinlich sekundäre Folge der Depression.
Kommentar: Hier ist davon auszugehen, dass negative Erlebnisse (meist in der Kindheit) vergessen wurden und sich die gespeicherte Erinnerung an die damalige Angst unwillkürlich Bahn bricht. Auch andere Ursprünge der Angst sind vorstellbar.

Generalisierte Angststörung

Die Angst ist generalisiert und anhaltend. Sie ist nicht auf bestimmte Umgebungsbedingungen beschränkt, oder auch nur besonders betont in solchen Situationen, sie ist vielmehr "frei flottierend". Die wesentlichen Symptome sind variabel, Beschwerden wie ständige Nervosität, Zittern, Muskelspannung, Schwitzen, Benommenheit, Herzklopfen, Schwindelgefühle oder Oberbauchbeschwerden gehören zu diesem Bild. Häufig wird die Befürchtung geäußert, der Patient selbst oder ein Angehöriger könnten demnächst erkranken oder einen Unfall haben.
Kommentar: Auch hier ist von traumatischen Prozessen auszugehen.

Zwangsstörung

Wesentliche Kennzeichen sind wiederkehrende Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Zwangsgedanken sind Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die den Patienten immer wieder stereotyp beschäftigen. Sie sind fast immer quälend, der Patient versucht häufig erfolglos, Widerstand zu leisten. Die Gedanken werden als zur eigenen Person gehörig erlebt, selbst wenn sie als unwillkürlich und häufig abstoßend empfunden werden. Zwangshandlungen oder -rituale sind Stereotypien, die ständig wiederholt werden. Sie werden weder als angenehm empfunden, noch dienen sie dazu, an sich nützliche Aufgaben zu erfüllen. Der Patient erlebt sie oft als Vorbeugung gegen ein objektiv unwahrscheinliches Ereignis, das ihm Schaden bringen oder bei dem er selbst Unheil anrichten könnte. Im allgemeinen wird dieses Verhalten als sinnlos und ineffektiv erlebt, es wird immer wieder versucht, dagegen anzugehen. Angst ist meist ständig vorhanden. Werden Zwangshandlungen unterdrückt, verstärkt sich die Angst deutlich.
Kommentar: Bei dieser Angststörung wird die Angst durch ein 'Zauberritual' eingefangen und kontrolliert: Eine 'Zwangshandlung'. Zwangsgedanken weisen auf reale Probleme hin, welche so belastend sind, dass wir uns 'offiziell' nicht damit beschäftigen wollen - aber sie kehren als Zwangsgedanken zurück. Woher kommen die Grundlegenden Ängste? Wie kann ein Mensch lernen, ohne seine Ängste zu leben?

Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen

Die Störungen dieses Abschnittes unterscheiden sich von den übrigen nicht nur aufgrund der Symptomatologie und des Verlaufs, sondern auch durch die Angabe von ein oder zwei ursächlichen Faktoren: Ein außergewöhnlich belastendes Lebensereignis, das eine akute Belastungsreaktion hervorruft, oder eine besondere Veränderung im Leben, die zu einer anhaltend unangenehmen Situation geführt hat und eine Anpassungsstörung hervorruft. Obwohl weniger schwere psychosoziale Belastungen ("life events") den Beginn und das Erscheinungsbild auch zahlreicher anderer Störungen dieses Kapitels auslösen und beeinflussen können, ist ihre ätiologische Bedeutung doch nicht immer ganz klar. In jedem Fall hängt sie zusammen mit der individuellen, häufig idiosynkratischen Vulnerabilität, das heißt, die Lebensereignisse sind weder notwendig noch ausreichend, um das Auftreten und die Art der Krankheit zu erklären. Im Gegensatz dazu entstehen die hier aufgeführten Störungen immer als direkte Folge der akuten schweren Belastung oder des kontinuierlichen Traumas. Das belastende Ereignis oder die andauernden, unangenehmen Umstände sind primäre und ausschlaggebende Kausalfaktoren, und die Störung wäre ohne ihre Einwirkung nicht entstanden. Die Störungen dieses Abschnittes können insofern als Anpassungsstörungen bei schwerer oder kontinuierlicher Belastung angesehen werden, als sie erfolgreiche Bewältigungsstrategien behindern und aus diesem Grunde zu Problemen der sozialen Funktionsfähigkeit führen.
Kommentar: Hier handelt es sich um eine besondere Diagnose insofern, als das sowohl Ursache als auch Ausdruck (Symptom) des Problems benannt werden. Bei vielen anderen psychischen Störungen kann es ebenfalls traumatische Ursachen geben. Menschen haben viele Möglichkeiten mit belastenden Situationen umzugehen - bewusst oder unbewusst.

Akute Belastungsreaktion

Eine vorübergehende Störung, die sich bei einem psychisch nicht manifest gestörten Menschen als Reaktion auf eine außergewöhnliche physische oder psychische Belastung entwickelt, und die im allgemeinen innerhalb von Stunden oder Tagen abklingt. Die individuelle Vulnerabilität und die zur Verfügung stehenden Bewältigungsmechanismen (Coping-Strategien) spielen bei Auftreten und Schweregrad der akuten Belastungsreaktionen eine Rolle. Die Symptomatik zeigt typischerweise ein gemischtes und wechselndes Bild, beginnend mit einer Art von "Betäubung", mit einer gewissen Bewusstseinseinengung und eingeschränkten Aufmerksamkeit, einer Unfähigkeit, Reize zu verarbeiten und Desorientiertheit. Diesem Zustand kann ein weiteres Sichzurückziehen aus der Umweltsituation folgen oder aber ein Unruhezustand und Überaktivität. Vegetative Zeichen panischer Angst wie Tachykardie, Schwitzen und Erröten treten zumeist auf. Die Symptome erscheinen im allgemeinen innerhalb von Minuten nach dem belastenden Ereignis und gehen innerhalb von zwei oder drei Tagen, oft innerhalb von Stunden zurück. Teilweise oder vollständige Amnesie bezüglich dieser Episode kann vorkommen. Wenn die Symptome andauern, sollte eine Änderung der Diagnose in Erwägung gezogen werden.
Kommentar: Erst wenn die 'Akute Belastungsreaktion' zu stark ist oder nicht abklingt, wird von einer psychischen Störung gesprochen (wahrscheinlich PTBS s.u.).

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Diese entsteht als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Prädisponierende Faktoren wie bestimmte, z.B. zwanghafte oder asthenische Persönlichkeitszüge oder neurotische Krankheiten in der Vorgeschichte können die Schwelle für die Entwicklung dieses Syndroms senken und seinen Verlauf erschweren, aber die letztgenannten Faktoren sind weder notwendig noch ausreichend, um das Auftreten der Störung zu erklären. Typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks), Träumen oder Alpträumen, die vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit auftreten. Ferner finden sich Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber, Freudlosigkeit sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Meist tritt ein Zustand von vegetativer Übererregtheit mit Vigilanzsteigerung, einer übermäßigen Schreckhaftigkeit und Schlafstörung auf. Angst und Depression sind häufig mit den genannten Symptomen und Merkmalen assoziiert und Suizidgedanken sind nicht selten. Der Beginn folgt dem Trauma mit einer Latenz, die wenige Wochen bis Monate dauern kann. Der Verlauf ist wechselhaft, in der Mehrzahl der Fälle kann jedoch eine Heilung erwartet werden. In wenigen Fällen nimmt die Störung über viele Jahre einen chronischen Verlauf und geht dann in eine andauernde Persönlichkeitsänderung über.
Kommentar: Im Gegensatz zur 'akuten Belastungsreaktion' verschwinden hier die Symptome nicht. Der traumatische Einfluss war so stark, dass der Mensch nachhaltig beeinflusst ist. Wichtige Randbedingungen für dieses Problem sind, ob das Trauma lang oder kurz einwirkte, ob es in aggressiver Weise durch Menschen verursacht wurde und wie alt die betroffene Person war.

Dissoziative Störungen [Konversionsstörungen]

Das allgemeine Kennzeichen der dissoziativen oder Konversionsstörungen besteht in teilweisem oder völligem Verlust der normalen Integration der Erinnerung an die Vergangenheit, des Identitätsbewusstseins, der Wahrnehmung unmittelbarer Empfindungen sowie der Kontrolle von Körperbewegungen. Alle dissoziativen Störungen neigen nach einigen Wochen oder Monaten zur Remission, besonders wenn der Beginn mit einem traumatisierenden Lebensereignis verbunden ist. Eher chronische Störungen, besonders Lähmungen und Gefühlsstörungen, entwickeln sich, wenn der Beginn mit unlösbaren Problemen oder interpersonalen Schwierigkeiten verbunden ist. Diese Störungen wurden früher als verschiedene Formen der "Konversionsneurose oder Hysterie" klassifiziert. Sie werden als ursächlich psychogen angesehen, in enger zeitlicher Verbindung mit traumatisierenden Ereignissen, unlösbaren oder unerträglichen Konflikten oder gestörten Beziehungen. Die Symptome verkörpern häufig das Konzept der betroffenen Person, wie sich eine körperliche Krankheit manifestieren müsste. Körperliche Untersuchung und Befragungen geben keinen Hinweis auf eine bekannte somatische oder neurologische Krankheit. Zusätzlich ist der Funktionsverlust offensichtlich Ausdruck emotionaler Konflikte oder Bedürfnisse. Die Symptome können sich in enger Beziehung zu psychischer Belastung entwickeln und erscheinen oft plötzlich. Nur Störungen der körperlichen Funktionen, die normalerweise unter willentlicher Kontrolle stehen, und Verlust der sinnlichen Wahrnehmung sind hier eingeschlossen. Störungen mit Schmerz und anderen komplexen körperlichen Empfindungen, die durch das vegetative Nervensystem vermittelt werden, sind unter Somatisierungsstörungen zu klassifizieren. Die Möglichkeit eines späteren Auftretens ernsthafter körperlicher oder psychiatrischer
Störungen muss immer mitbedacht werden.
Kommentar: Auch hier handelt es sich um Störungen, die vor allem nach traumatischen Erlebnissen auftreten. Die 'Dissoziation' ist sozusagen eine Erinnerung an die 'Flucht' während des Traumas. Eine innere Flucht - denn Trauma ist so definiert, dass eine Flucht nicht möglich ist.

Somatoforme Störungen

Das Charakteristikum ist die wiederholte Darbietung körperlicher Symptome in Verbindung mit hartnäckigen Forderungen nach medizinischen Untersuchungen trotz wiederholter negativer Ergebnisse und Versicherung der Ärzte, dass die Symptome nicht körperlich begründbar sind. Wenn somatische Störungen vorhanden sind, erklären sie nicht die Art und das Ausmaß der Symptome, das Leiden und die innerliche Beteiligung des Patienten.
Kommentar: 'Es bricht mir das Herz'. 'Das geht mir an die Nieren'. 'Da wird einem ja übel.' Vertrauen wie darauf, dass unser Körper unsere Gefühle ausdrückt - auch wenn unser Kopf sich verwehrt. Welche Gefühle stecken wohl hinter diesen unerklärlichen Schmerzen? Und was hat sie verursacht?

Somatisierungsstörung

Charakteristisch sind multiple, wiederholt auftretende und häufig wechselnde körperliche Symptome, die wenigstens zwei Jahre bestehen. Die meisten Patienten haben eine lange und komplizierte Patienten-Karriere hinter sich, sowohl in der Primärversorgung als auch in spezialisierten medizinischen Einrichtungen, wo viele negative Untersuchungen und ergebnislose explorative Operationen durchgeführt sein können. Die Symptome können sich auf jeden Körperteil oder jedes System des Körpers beziehen. Der Verlauf der Störung ist chronisch und fluktuierend und häufig mit einer langdauernden Störung des sozialen, interpersonalen und familiären Verhaltens verbunden.
Kommentar: Manchmal ist es leichter an körperliche Krankheit zu glauben, als sich den verschütteten schrecklichen Erinnerungen zu stellen. Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen oder Faktoren.

Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen oder Faktoren

Anorexia nervosa (Magersucht)

Die Anorexia ist durch einen absichtlich selbst herbeigeführten oder aufrechterhaltenen Gewichtsverlust charakterisiert. Am häufigsten ist die Störung bei heranwachsenden Mädchen und jungen Frauen; heranwachsende Jungen und junge Männer, Kinder vor der Pubertät und Frauen bis zur Menopause können ebenfalls betroffen sein. Die Krankheit ist mit einer spezifischen Psychopathologie verbunden, wobei die Angst vor einem dicken Körper und einer schlaffen Körperform als eine tiefverwurzelte überwertige Idee besteht und die Betroffenen eine sehr niedrige Gewichtsschwelle für sich selbst festlegen. Es liegt meist Unterernährung unterschiedlichen Schweregrades vor, die sekundär zu endokrinen und metabolischen Veränderungen und zu körperlichen Funktionsstörungen führt. Zu den Symptomen gehören eingeschränkte Nahrungsauswahl, übertriebene körperliche Aktivitäten, selbstinduziertes Erbrechen und Abführen und der Gebrauch von Appetitzüglern und Diuretika.
Kommentar: Zumindest seinen Körper hat der magersüchtige Mensch unter Kontrolle. Sollen die anderen sehen, wie schlecht es dem betroffenen Menschen eigentlich geht?

Bulimia nervosa

Ein Syndrom, das durch wiederholte Anfälle von Heißhunger und eine übertriebene Beschäftigung mit der Kontrolle des Körpergewichts charakterisiert ist. Dies führt zu einem Verhaltensmuster von Essanfällen und Erbrechen oder Gebrauch von Abführmitteln. Viele psychische Merkmale dieser Störung ähneln denen der Anorexia nervosa, so die übertriebene Sorge um Körperform und Gewicht. Wiederholtes Erbrechen kann zu Elektrolytstörungen und körperlichen Komplikationen führen. Häufig lässt sich in der Anamnese eine frühere Episode einer Anorexia nervosa mit einem Intervall von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren nachweisen. Ein Wechselbad der Gefühle. Einverleibung, dann Scham. Welche Beziehung zu anderen Menschen war so strukturiert, wie die Beziehung des Ess-Brechsüchtigen Menschen zu seinem Körper?

Nichtorganische Schlafstörungen

In vielen Fällen ist eine Schlafstörung Symptom einer anderen psychischen oder körperlichen Krankheit. Ob eine Schlafstörung bei einem bestimmten Patienten ein eigenständiges Krankheitsbild oder einfach Merkmal einer anderen Krankheit (klassifiziert anderenorts in Kapitel V oder in anderen Kapiteln) ist, sollte auf der Basis des klinischen Erscheinungsbildes, des Verlaufs sowie aufgrund therapeutischer Erwägungen und Prioritäten zum Zeitpunkt der Konsultation entschieden werden. Wenn die Schlafstörung eine der Hauptbeschwerden darstellt und als eigenständiges Zustandsbild aufgefasst wird, dann soll diese Kodierung gemeinsam mit dazugehörenden Diagnosen verwendet werden, welche die Psychopathologie und Pathophysiologie des gegebenen Falles beschreiben. Diese Kategorie umfasst nur Schlafstörungen, bei denen emotionale Ursachen als primärer Faktor aufgefasst werden, und die nicht durch anderenorts klassifizierte körperliche Störungen verursacht werden.
Kommentar: Folgestörung Sexuelle Funktionsstörungen, nicht verursacht durch eine organische Störung oder Krankheit Sexuelle Funktionsstörungen verhindern die von der betroffenen Person gewünschte sexuelle Beziehung. Die sexuellen Reaktionen sind psychosomatische Prozesse, d.h. bei der Entstehung von sexuellen Funktionsstörungen sind gewöhnlich sowohl psychologische als auch somatische Prozesse beteiligt. Leistungsdruck oder Beziehungsprobleme stehen bei diesem Störungsspektrum im Vordergrund.

Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen

Allgemeine Erläuterung zu Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen stellen klinisch wichtige, meist länger anhaltende Zustandsbilder und Verhaltensmustern dar. Sie sind Ausdruck des charakteristischen, individuellen Lebensstils, des Verhältnisses zur eigenen Person und zu anderen Menschen. Einige dieser Zustandsbilder und Verhaltensmuster entstehen als Folge konstitutioneller Faktoren und sozialer Erfahrungen schon früh im Verlauf der individuellen Entwicklung, während andere erst später im Leben erworben werden. Die spezifischen Persönlichkeitsstörungen, die kombinierten und anderen Persönlichkeitsstörungen und die Persönlichkeitsänderungen sind tief verwurzelte, anhaltende Verhaltensmuster, die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen. Sie verkörpern gegenüber der Mehrheit der betreffenden Bevölkerung deutliche Abweichungen im Wahrnehmen, Denken, Fühlen und in den Beziehungen zu anderen. Solche Verhaltensmuster sind meistens stabil und beziehen sich auf vielfältige Bereiche des Verhaltens und der psychologischen Funktionen. Häufig gehen sie mit einem unterschiedlichen Ausmaß persönlichen Leidens und gestörter sozialer Funktionsfähigkeit einher.
Kommentar: Die psychologisch/psychiatrische Diagnostik unterscheidet zwischen 'normalen' psychischen Störungen und den Persönlichkeitsstörungen. Persönlichkeitsstörungen können als Versuch gesehen werden, langfristig mit schwierigen Bedingungen vor allem in der Kindheit zurechtzukommen. Denn in der Kindheit bildet sich die menschliche Persönlichkeit heraus. Sie wird so wachsen müssen, wie die Bedingungen es gestatten.

Emotional instabile Persönlichkeitsstörung (Borderline-Persönlichkeitsstörung)

Eine Persönlichkeitsstörung mit deutlicher Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren, verbunden mit unvorhersehbarer und launenhafter Stimmung. Es besteht eine Neigung zu emotionalen Ausbrüchen und eine Unfähigkeit, impulshaftes Verhalten zu kontrollieren. Ferner besteht eine Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und zu Konflikten mit anderen, insbesondere wenn impulsive Handlungen durchkreuzt oder behindert werden. Zwei Erscheinungsformen können unterschieden werden: Ein impulsiver Typus, vorwiegend gekennzeichnet durch emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle; und ein Borderline-Typus, zusätzlich gekennzeichnet durch Störungen des Selbstbildes, der Ziele und der inneren Präferenzen, durch ein chronisches Gefühl von Leere, durch intensive, aber unbeständige Beziehungen und eine Neigung zu selbstdestruktivem Verhalten mit parasuizidalen Handlungen und Suizidversuchen.
Kommentar: 'Borderline' ist eine häufig vergebene Diagnose. Diese bekannteste 'Persönlichkeitsstörung' ist Ausdruck von Dingen, die Menschen erleben mussten:
- Gewalt
- sexueller Missbrauch
- ständige Abwertung
und dies durch wichtige Bindungspersonen, hinterlassen ihre Spuren. Ein Mensch der solches erlebt hat, befindet sich im Krieg mit den anderen und sich selbst. Denn in diesem Krieg ist er aufgewachsen. Und wer sagt einem denn, dass der Friede wirklich anhält? ... Menschen die viel Gewalt erleben mussten müssen erst lernen, sich auf anderes einzulassen.