www.berlin-traumatherapie.de   |   Dipl.-Psych. J. Rossilhol
Traumatherapie

Info:

Betroffene von sexuellem Missbrauch können Sachleistungen bis zu 10000,- € beantragen, zum Ausgleich der Folgeschäden, Therapie, wenn die Kasse nicht weiter zahlt u.ä. . Der Antrag ist nicht unproblematisch. Es besteht die Möglichkeit getriggert zu werden und der mögliche zu beantragende Leistungskatalog ist m.E. zu eingeschränkt. Dennoch kann eine Prüfung lohnen:

Fonds Sexueller Missbrauch



Traumatherapie

(Bitte achten Sie auf sich, einige Themen könnten zu schlechten Gefühlen führen - 'triggern')

Tatsächlich habe ich mich seit Mitte der 90er Jahre hauptsächlich mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs beschäftigt und versuche in meiner Praxis Menschen zur Seite zu stehen, die mit den Folgen dieser Kindheitserlebnisse zu tun haben.

Heute wird in der Therapie psychischer Probleme wieder häufiger bedacht, ob den jeweiligen Problemen nicht Traumatisierungen der einen oder anderen Form zugrunde liegen könnten. Insgesamt gesehen handelt es sich hierbei um eine sehr positive Entwicklung, die keinesfalls zwangsläufig ist. Die Geschichte der modernen Psychotherapie beginnt quasi beim Thema Trauma: Sigmund Freud 'entdeckte', dass die 'hysterischen' Symptome vieler seiner PatientInnen durch eben ein 'Trauma' mitverursacht wurden (sexueller Missbrauch). Nach Druck und Kritik durch seine ehrenwerten ärztlichen Kollegen revidierte er seine Position.

Der Begriff 'Traumatherapie' ist nicht geschützt und kann deshalb in den verschiedensten Ausprägungen benutzt werden - und wird es auch. Bei den Betroffenen von sexuellem Missbrauch und anderen von interpersonalen Traumata Betroffenen hat sich der Begriff inzwischen etabliert. Ich finde diese Entwicklung gut, es sei jedoch nochmals betont, dass es in der offiziellen Sprache des Gesundheitssystems diesen Begriff eher nicht gibt. Von den Krankenkassen anerkannte Psychotherapieverfahren beziehen sich auf Therapieschulen. Und leider haben diese Therapieschulen lange genug weggesehen, wenn es um psychische Traumatisierung geht. Wenn wir Psychotherapeuten jedoch offen an die Probleme der Menschen herangehen, so stellen wir fest, dass das Leiden, welches die Menschen zu uns führt sehr häufig traumatische Ursachen hat.

Es gibt mehrere sinnvolle Unterscheidungen bezüglich der Einordnung und Definition psychischer Traumatisierung, die sich leider bisher kaum in den Diagnostik-Systemen ICD 10 und DSM4 niedergeschlagen haben. Eine wichtige Unterscheidung ist die, ob ein Trauma durch zwischenmenschliche Gewalt verursacht wurde (sexueller Missbrauch, Vergewaltigung, physische Gewalt, Vernachlässigung) oder andere Ursachen hat. Wichtig ist weiterhin die Einwirkensdauer (Monotrauma vs. wiederholtes Trauma) der traumatischen Erfahrungen.

Es sei an dieser Stelle auch davor gewarnt alles zum 'Trauma' zu machen. Häufig genug erlebe ich Menschen, die wirklich schreckliche Dinge erleben mussten, aber nach vorne schauen. Für die Erklärung und das eigene Gerechtigkeitsempfinden, auch im Sinne einer Heilungsvorraussetzung ist es wichtig das Trauma anzuerkennen, aber der Blick sollte in die Zukunft gerichtet sein.

Mittlerweile gibt es mehr Verfahren, Techniken und Kenntnisse, um die Folgen von Traumatisierung zu behandeln. Jedoch ist Therapie immer ein Gesamtprozess. Und letztendlich ein Gesamtprozess, in welchem der/die KlientIn die wichtigste Rolle hat. Die Rolle des Therapeuten besteht zu einem sehr grossen Teil darin zu begleiten und zu unterstützen. Somit sind die therapeutischen Einzel-Techniken nicht so wichtig, wie es manchmal scheint. Es gibt meiner Ansicht nach keine 'Wunderheilung' der Verletzungen (trotz so effektiver Techniken wie z.B. EMDR). Wohl aber ist es möglich, zu sortieren und nach vorne zu schauen.

Und entschuldigen Sie falls es banal klingt: Das wichtigste ist immer menschliche Wärme, Respekt und Zuneigung. Genau deshalb sind ja interpersonale Traumata so zerstörerisch, weil Sie uns davon abschneiden und wir misstrauisch distanziert oder wütend den anderen gegenüberstehen.

Die wichtigste Methode der Psychotherapie ist nach aller Wirksamkeitsforschung in diesem Gebiet die Begegnung zweier Menschen in der Therapie (oder mehrerer in der Gruppentherapie). Dies ist in der Traumatherapie nicht anders. Natürlich muss sich ein Traumatherapeut mit Traumata auskennen; er sollte z.B. wissen wie schreckliche Dinge es gibt. Wer will schon mit einem Therapeuten reden, der einem kaum glauben kann?

Es ist sehr gut, dass mittlerweile viele Traumatherapie-Methoden und Curricula in Büchern und Lehrgängen vermittelt werden. Ich habe für mich festgestellt, dass die Menschen in meinen Therapien am besten davon profitieren eigene Methoden zu entwickeln. Diese können an bestehende Methoden angelehnt sein oder selbst entwickelt.

Wichtig für eine ambulante Psychotherapie bei diesem Themenspektrum ist die Stabilität. Dazu gehört kurzfristig vor allem Sicherheit - sowohl die Sicherheit vor Gewalt, als auch eine gewisse ökonomische Sicherheit. Mittelfristig ist der Ausbau eines Beziehungsnetzes wichtig. Erst dann kann auch an Traumaverarbeitung gedacht werden.

Leider gibt es viele Formen interpersonaler Gewalt - gerade im Bereich des sexuellen Missbrauchs - bei denen sich die Bedrohung auch im Erwachsenenalter fortsetzt. Stichworte sind hier ritueller Missbrauch, Kinderpornographie, Prostitution. Sicherheit bedeutet hier vor allem: Keine Täterkontakte mehr!

Katharsis ist die Idee, dass Blockaden aus traumatischen Prozessen dann lösbar sind, wenn die Repräsentation der Situation neu bearbeitet wird. Die Situationen sind ja vergangen. Neben der plausiblen Annahme, dass 'wiederansehen' von etwas Veränderung bewirken kann enthält jedoch der Begriff auch die Kompomente der Auflösung. Die Konfrontation enthält als vornehmlich verhaltenstherapeutischer Begriff ähnliche Bestimmungen. Leider ist das Wiederanschauen häufig sehr schmerzlich. Alle (traumatisierten) Menschen brauchen deshalb viel Gutes.